heading north

Donnerstag war relativ hektisch. Der zweite Interview-Versuch mit Greg Fredette hat endgültig funktioniert, ich versuche mich zu erinnern: Der Veer-Editor war ja auch deswegen interessant, da er sich dem Thema als “Außenseiter” näherte, also nicht in irgendeiner Szene involviert. Entscheidender Eindruck bei ihm: Vielfalt. Das Spektrum an “Radgruppen” ist in seinen Augen dermaßen weit gefächert, daß für jeden Geschmack irgendeine Gruppe – wie auch immer organisiert – besteht, der man sich anschließen könne. Gemein sei allen, daß sie sie sich als “community building” verstünden. Fredette selbst ist vor einigen Jahren aus Richtung Utah hergekommen, und auch bei ihm kommt, was viele andere sagen: Er hätte sich früher auch ein Leben in Seattle vorstellen können, das hat sich in Teilen geändert, und wie Jay Sycip zieht er Portland vor. Es wird fast zum Kanon: Density (Dichte), Liveability, Kultur, sowas wie Freiräume… Inzwischen gehört zu meinen Standardfragen: Where do you see this place in five or ten years? Wird sich Portland ähnlich entwickeln, so viele Menschen anziehen, sich damit verändern und verteuern oder ist diese Stadt anders strukturiert, im Gegensatz zu San Francisco/Seattle/whatever, füllbar, gestaltbar und gleichzeitig diese einfache, günstige und zugängliche “Liveability” wahrend? Dabei ist meine Frage nicht per se abwehrend oder konservierend gemeint, meine Abneigung gegen von woanders bekannte Slogans wie “Milieuschutz”  ist relativ gefestigt. Wie auch immer, als ich meinem Kaffee noch einen Schuß Zucker gönnte, schnappte ich von anderen Leuten neben mir auf: This feels so much like Seattle in the Nineties. Ich machte einen Haken und setzte mich in den Zug.

Letztendlich hab ich an dem Abend nicht viel von Seattle gesehen, mich mit meinem Kram nach Capitol Hill hochgekämpft, die abendliche Aussicht genossen und dann mit meinen Gastgebern noch in irgendeine Kneipe begeben. Am nächsten Morgen bin ich zum Bahnhof runtergeschossen, habe mein Rad abgegeben und den Bus geentert, der mich in ein paar Stunden nach Kanada hochschaukeln sollte. Fühlte sich wie Urlaub an.

Vom Bahnhof war es nicht weit bis ins Momentum-Headquarter, wo vor ein paar Stunden gerade Redaktionsschluß war. Ich bekam ein Longtail (Xtracycle Radish) gestellt, brachte meine Sachen mit Mia ins Quartier und traf mich dann mit Amy und ihrem Freund, um für den Rest des Tages am Third Beach rumzuhängen. Ich kenne die Momentum-Ladies von zwei Messen, wie gesagt das erste Magazin, das Nordamerika-weit über “everyday cycling” berichtet. Außerdem waren sie auch jeweils auf den letzten NAHBS-Shows vertreten und ich erhoffte mir davon eine Einordnung Portlands und des Custom-Rahmenbaus aus ihrer Perspektive, mit entsprechend weitem Fokus und Vergleichsmöglichkeiten. Hat funktioniert. Da ich ja auch auf griffige Zitate aus bin, freute ich mich besonders über jenes von Amy, das Jonathan Maus’ bikeportland.org zur wichtigsten nordamerikanischen fahrradthematischen Website überhaupt erhob (wir bleiben mal im Alltags- und Community-Bereich), da hier auch von außen ersichtlich ist, wie sich lokale Strömungen bündeln lassen und Raum für “community-building” und Diskussionen, letztendlich größeres politisches Gewicht erreichen läßt. Gut (und siehe wieder: Bicycle Times). Außerdem der Vergleich Portlands mit anderen Städten, der natürlich gut wegkommt, aber auch: Die Bedingungen hier (in Portland) sind halt um einiges näher am Idealzustand als in anderen, größeren Städten, die Arbeit dort ungleich härter, andere Interessenlagen…mich beruhigt ja irgendwie, daß keine Jubelarie draus wurde. Gebadet, geraucht und getrunken wurde auch, ich glaube, das war das lockerste Interview bisher, muß es mir nochmal anhören…

Der Abend ging dann noch weiter, “zu Hause” wurde gefeiert und diverse Diskussionen (unter anderem!) um Rahmenbau, lokale vs. globale Produktion und wie das überhaupt alles mal werden soll zogen sich so lange, daß wir den nächsten Morgen kollektiv ausschliefen und am folgenden Tag unsere Programmpunkte ausfallen ließen. Ich hab mich irgendwann zum Bahnhof geschleppt und in den Zug zurück nach Seattle gesetzt, was eine verdammt schöne Fahrt werden sollte.

In Seattle gab es dann ein ausgiebiges Frühstück mit Jessica und Levi  und schon wieder meinen Abschieb vom Capitol Hill. Ich machte noch eine schnelle aber nicht minder interessante Runde in der Stadt und saß dann auch schon im nächsten Zug, zurück nach Oregon. Wahnsinnig kurz geschlafen ging es am Montag Morgen zu Catherine Ciarlo, Transportation Director im Büro des Bürgermeisters. Sollte ich es als weiteres Zeichen werten, daß dieser Posten mit einer ehemaligen Vorsitzenden der Bicycle Transportation Alliance besetzt wurde? Ich denke, ich sollte. An den derzeitigen Vorsitzenden muß ich auch noch ran, im Rahmen dessen dann auch mehr zur BTA.

Morgen treffe ich mich dann wiederum mit Andy Newlands, um per Rad zu Dave Levy von TiCycles zu fahren und im berüchtigten “Man Camp” zwischen Motorenblöcken und Titanrahmen den Ipod glühen zu lassen. Wie es aussieht gibt es am Freitag einen Termin mit Matt und Nate von Signal Cycles und am Samstag werde ich voller Vorfreude ein paar Sachen für die nächste Woche zusammenpacken…

In a bit:

G.

Autor:
Datum: Donnerstag, 11. Juni 2009 2:53
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemeines

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

5 Kommentare

  1. 1

    Ah, endlich schreibter wieder!
    Schrolfe, danke für die grandiosen Ansichten! Und was ist denn dann nächste Woche?

    D’son

    PS: Der Momentum-Link heißt com und nicht org.

  2. 2

    Wie immer klasse Bilder, wirklich 1a Reisefotografie. Bleibt zu hoffen das sich Portland seinen Charme waren kann und nicht von “Seifenblasen Künstlern” übernommen wird.

  3. 3

    Ohne jetzt grad alles gelesen zu haben…Das Frühstücksbild mein lieber Gerolf…ist der Wahnsinn!

    ich bin sooooooooooooo eifersüchtig!

    :P

  4. 4

    Nächste Woche wird eher eastcoasty…:D

    Das mit dem Charme ist halt so eine Sache, ich halte nichts von Konservierung (nicht, daß meine Meinung zählen würde). Und es fühlt sich auch viel mehr “nach vorn” an als daß es hier um einen Status Quo ginge. Soweit ich bis jetzt Einblick habe ist die Struktur dieser Stadt durchaus nach vorn ausgerichtet und profitiert von dem hohen Zuzug, ohne daß damit was den Bach runterginge. Smart Planning, sieht verdammt danach aus.

    Eifersucht, Hans, what shall I do? Ja, es ist ziemlich großartig, das ist es wohl. Ich versprech dir ein Frühstück, wenn wir uns irgendwann mal wieder sehen…

    Kissis!

    G.

  5. Hance Vance Dance
    Freitag, 12. Juni 2009 5:59
    5

    im Januar dann halt…

Kommentar abgeben